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  • Karpaltunnelsyndrom

    Das Karpaltunnelsyndrom (KTS), auch Medianuskompressionssyndrom genannt, ist das häufigste Einengungssyndrom eines peripheren Nervs. Das Risiko, an einem KTS zu erkranken, liegt bei durchschnittlich 8 - 10 Prozent, wobei Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Das mittlere Erkrankungsalter liegt zwischen 40 und 70 Jahren, eine beidseitige Erkrankung kommt in zirka 40 Prozent der Fälle vor.

    Ursachen

    Das KTS wird durch eine chronische Druckschädigung des Mittelarmnervs (Nervus medianus) innerhalb seines Verlaufs im Karpaltunnel verursacht. Durch diesen etwa 20 mm langen Tunnel, dessen Basis von den Handwurzelknochen und dessen Dach von einem Band (Ligamentum carpi transversum) gebildet wird, ziehen neben dem Mittelarmnerven auch die zehn Beugesehnen der Finger. Zu einer Einengung des Mittelarmnervs innerhalb dieses physiologischen Engpasses kommt es einerseits durch eine Einengung des Tunnels, viel häufiger aber durch eine Volumenzunahme des Tunnelinhalts. Die Druckerhöhung im Karpaltunnel führt zu einer Einengung der Gefäße, die den Nerv nun nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen können. In der Folge kommt es außerdem zu einer Wasseransammlung innerhalb des Nervengewebes (intraneurales Ödem), das im weiteren Verlauf einzelne Nervenfasern schädigt. Für die typische nächtliche Zunahme der Beschwerden ist das Abknicken des Handgelenks im Schlaf verantwortlich, wodurch der Druck im Karpaltunnel weiter erhöht und die Durchblutung weiter einschränkt wird. Im Krankheitsverlauf wandern spezielle Bindegewebszellen (Fibroblasten) in den geschädigten Nerv,  die das Nervengewebe umbauen und somit zu einer weiteren Schädigung der Nervenfasern beitragen.

    Symptome

    Typische Erstsymptome sind vor allem in der Nacht auftretende Schmerzen (Brachialgia nocturna) oder kribbelnde, nadelstichartige Missempfindungen (Einschlafen, Ameisenlaufen) in der betroffenen Hand, welche auch diffus in den gesamten Arm einstrahlen können und sich durch Schütteln der Hand bessern. Die Missempfindungen und Schmerzen sind häufig nicht nur auf das sensible Versorgungsgebiet des Mittelarmnervs begrenzt, sondern greifen auch auf die ellenseitige Handfläche und in aufwärts gelegene Regionen bis hinauf zur Schulter über. Im weiteren Verlauf kann es zu einer zusätzlichen Minderung des Tastgefühls kommen, wodurch feinmotorische Arbeiten, wie z. B. das Nähen oder Knöpfen, erschwert werden können. Oft kommt es auch zu einer Lähmung und Zurückbildung der Muskulatur des Daumenballens (Mm. abductor pollicis brevis und opponens pollicis), so dass auch die Bewegung des Daumens beeinträchtigt werden kann.

    Diagnose

    Diagnostisch wegweisend ist in den meisten Fällen die typische Anamnese. Der neurologische Untersuchungsbefund kann vor allem im Frühstadium der Erkrankung unauffällig sein. Positive klinische Tests (z.B. Phalen-Test) stützen die Verdachtsdiagnose eines KTS, sind jedoch weniger sensitiv und zuverlässig als die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit des Mittelarmnervs (motorische und sensible Neurographie), die nach wie vor als Goldstandart zum zuverlässigen Nachweis eines KTS gilt.

    Abbildung A zeigt einen gesunden Querschnitt des Karpaltunnels mit dunklen und nicht verdickten Nervenfasern des N. medianus (Mittelarmnerv) und des N. ulnaris (Ellennerv).

    Abbildung B zeigt einen Querschnitt aus dem Karpaltunnel an derselben Stelle, jedoch bei einem Patienten mit einer anatomischen Variante. Ein Gefäß verläuft innerhalb des Mittelarmnervs und engt diesen auch gleichzeitig ein. Einige Nervenfasern erscheinen deutlich heller und verdickt im Vergleich zu den benachbarten gesunden Nervenfasern.

    Abbildungen C und D zeigen einen Patient mit einem Karpaltunnelsyndrom, bei dem wenige Wochen vor der Untersuchung das Lig. transversum carpi operativ gespalten wurde. Auch nach der OP klagte der Patient weiterhin über Beschwerden. Mittels MR-Neurographie konnte nachgewiesen werden, dass das Lig. transversum carpi unvollständig gespalten wurde und auch an dieser Stelle einige Nervenfasern noch deutlich heller und verdickt (roter Pfeil) erschienen.

    Indikation zur MR-Neurographie

    Die MR-Neurographie kann als bildgebendes Verfahren ergänzend hierzu sowohl die Schädigung des Mittelarmnervs direkt visualisieren bzw. lokalisieren, als auch anatomische Varianten und krankhafte Prozesse sichtbar machen,  die zu einer Schädigung des Nervs führen können. Somit kann diese Untersuchung gerade bei Patienten mit leicht ausgeprägten Formen bzw. widersprüchlichen Untersuchungsergebnissen die klinische und neurophysiologische Untersuchung sinnvoll ergänzen, wodurch eine eventuelle Operationsindikation präziser gestellt werden kann.