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  • Schädigung des Gesichtsnervs

    Der Gesichtsnerv (auch 7. Hirnnerv oder Nervus facialis, lateinisch "facies" für Gesicht) versorgt die Muskulatur von Gesicht und Stirn, die für Mimik und Gestik sowie für die Bewegung der Augenlider verantwortlich ist. Ferner ist er, zusammen mit Fasern anderer Hirnnerven, die sich an den Gesichtsnerv anlagern, für die Steuerung der Tränen- und Speicheldrüsen verantwortlich sowie für den Geschmackssinn im Großteil der Zunge. Zusätzlich übt er eine Schutzfunktion des Gehörsinns vor zu großer Lautstärke aus. Anhand der ausgefallenen Funktionen des Gesichtsnervslässt sich bereits der Ort der Schädigung vermuten. Dieser kann innerhalb des Gehirns oder aber auch im Verlauf des Gesichtsnervs im Schläfenbein oder in der Ohrspeicheldrüse liegen.

    Ursachen

    Viele verschiedene Erkrankungen können zu einer Schädigung des Gesichtsnervs führen. Je nach Erkrankung/ Ursache können unterschiedliche Abschnitte des Nervs betroffen sein. Beispielhaft sind einige Ursachen, sortiert nach Schädigungsort, aufgeführt:

    • Gehirn: Multiple Sklerose, Lymphome u. Hirntumore
    • Innerer Gehörgang: Tumore der Nervenscheiden und Hirnhäute
    • Mittelohr: Mittelohrentzündungen und Tumore
    • Ohrspeicheldrüse: Tumore

    Ferner kann es auch zu einer Schädigung des Gesichtsnervs im Rahmen von Erkrankungen kommen, die auch andere Organsysteme betreffen, wie z.B. Diabetes mellitus, Borreliose oder Sarkoidose. Der genaue Krankheitsmechanismus ist dabei nicht in jedem Fall geklärt. Beispielhaft hierfür sei die Lähmung des Gesichtsnervs im Rahmen einer Bell-Lähmung genannt,  die vermutlich durch eine Virusinfektion verursacht wird.

    Indikation zur  MR-Neurographie

    Mittels einer MR-Neurographie kann der Ausschluss einer Schädigung des Gesichtsnervs an den oben genannten Regionen erfolgen. Dies ist immer dann sinnvoll, wenn Erkrankungen, die mehrere Organsysteme betreffen, bereits ausgeschlossen wurden bzw. wenn für diese keine typischen Beschwerden vorliegen. Eine typische Bell-Lähmung mit Entwicklung einer kompletten Lähmung des Gesichtsnervs innerhalb von 36 Stunden ohne weitere Symptome stellt hingegen keine zwingende Indikation für eine MRT-Untersuchung dar.

    A Normale Darstellung des Eintritts vom Gesichtsnerv (*, schwarz) und Hör- und Gleichgewichtsnerv (**, schwarz) in den inneren Gehörgang des Schläfenbeins. Ebenfalls mit im Bild das Gleichgewichtsorgan (##) und die Hörschnecke (#) des Innenohrs.
    B Nervenscheidentumor (+) des Hör- und Gleichgewichtsnervs (**; schwarz), der den inneren Gehörgang vollständig verlegt und keinen Raum für den Gesichtsnerv (*; schwarz) lässt.
    C Darstellung des gesamten Verlaufs des Gesichtsnervs (*; weiß) durch das Schläfenbein. Mit abgebildet sind Teile des Gleichgewichtsorgan (##).

    Erscheinungsbild in der MR-Neurographie

    Systematisch werden innerhalb einer MRT-Untersuchung die möglichen Schädigungsorte untersucht. Im Verlauf des Gesichtsnervs werden dabei dessen Durchmesser, die Helligkeit sowie die Aufnahme von Kontrastmittel beurteilt. Ferner wird nach Tumoren gesucht, die entweder direkt vom Nerv ausgehen oder diesen bedrängen und irritieren können.

    Nutzen der MR-Neurographie für die weitere Diagnostik und Therapie

    Mittels der MR-Neurographie können bei unklarer Ursache einer Gesichtsnervlähmung viele Ursachen in einer einzigen Untersuchung ausgeschlossen werden. Sie stellt daher einen entscheidenden Beitrag zur Diagnosefindung dar. Ferner ist sie ein besonders schonendes Verfahren, da die Neurographie nicht-invasiv ist und ohne Strahlenbelastung durch Röntgenstrahlen auskommt.

    Die MR-Neurographie des Gesichtsnervs in der Ohrspeicheldrüse ist weit weniger erforscht als der restliche Teil des Nervs und stellt einen unserer Forschungsschwerpunkte dar. Zukünftig sollen davon u.a. Patienten mit einem Tumor in der Ohrspeicheldrüse profitieren. Bereits vor der Operation könnte die genaue Lagebeziehung von Nerv und Tumor bestimmt werden und somit das Risiko einer Nervenverletzung während der Operation gesenkt werden.